Ungarischer Wein

Ungarn, das Weinland: Auf etwa 110 000 Hektar Rebfläche wird bis zu 3,5 Millionen Hektoliter ungarischer Wein jährlich geerntet. Etwa 240 000 Hektoliter Wein werden nach Deutschland exportiert. Hauptsorten sind Welschriesling und Blaufränkisch.

Weine volle Kraft und Glut

Vor mehr als zwei Jahrzehnten wurde in Budapest die Vereinigung ungarischer Weinkellereien gegründet. Sie vereinigt etwa 55 renommierte Weingüter, die 90 Prozent der Weinexporte repräsentieren. Hinter dieser starken Gemeinschaft steckt der eiserne Wille zur Qualität: Die Weinbauern wollen die klassischen Weine der Magyaren wieder aufleben lasse – so den tiefdunklen Badscony Kéknyelû der guten, alten Art oder echten Skürkebarát aus dem unaussprechlichen, unter Weinkennern aber hochgelobten Ort Szentgyörgyhegy.

Ungarischer Wein-Keller
Ungarischer Wein-Keller | © zagorskid - Fotolia

Das sind glut- und kraftvolle Weine ohne eine Spur störender Süße, ideal zum reinrassigen Gulyás magyarul - neben der gemüsestrotzenden Fischsuppe Halszláé und dem variantenreichen Pörkölet einem der typischsten Gerichte der ebenso hervorragenden und feurigen wie gesunden ungarischen Küche.


Heute sind es Ungarns Weinbauern leid, in Deutschland immer noch mit ihrem billig-zuckrigen Grauen Mönch oder mit Erlauer Stierblut bekannt zu sein.

Geheimnisse aus alten Kellern - ungarischer Wein

Ungarn, das die Herrschaft der Türken in ihrer Vergangenheit besser überstand als andere Länder des Balkans, kann auf eine große Weinkultur verweisen. Unter Kaiserin Maria Theresia galt der Spruch „nullum vinum nisi hungaricum“ – "nichts als ungarische Weine".


Im 18. Jahrhundert exportierte das Land des Paprikas und der Puszta mehr als zwei Millionen Liter in alle Welt. Die Magyaren hatten den Vorteil des heißen Klimas; sie vermochten einen schweren, milden Wein zu erzeugen, wie es in Frankreich oder in Deutschland kaum möglich war.


Dazu kam der konzentriert-natursüße Tokajer, „Wein der Könige“ genannt. Sicher schmeckten Kékfrankos und Leányka damals anders als die heutigen Abfüllungen, denn einen reduktiven Ausbau unter völligem Luftausschluss gab es damals nicht. Die Weine mussten demnach oxydiert gewesen sein und etwa wie Madeira angemutet haben.

Doch sie waren sehr robust, wurden mit Pferdekarren quer durch Europa kutschiert und ließen sich danach immer noch viele Jahrzehnte in dunklen Kellern lagern – noch heute faszinieren verschiedene Preziosen mit einzigartigen Aromen.
Kenner müssen akzeptieren, dass es solche wunderbaren ungarischen Ausnahmeweine heute nicht mehr geben wird; züchterischer Arbeit ist es geschuldet, dass das alte Traubenmaterial nicht mehr verfügbar ist.

Der János-Becher

In den letzten Jahrzehnten potenzierte sich die Qualität ungarischer Weine bis auf das Niveau der köstlichen Châteauweine Kastélyborok. Ein Großteil der Erzeugung machen Weißweine aus – Aushängeschild der Nation ist immer und immer wieder der Tokajer, aber auch anderen Weiß- oder Rotweinen kommt immer mehr internationale Anerkennung zu.
Eine schöne ungarische Sitte sollte zum großen Kulturexport avancieren, die Tradition des sogenannten János-Bechers: Das ist das letzte Glas Wein nach einem längeren Abend im Freundeskreis, der schon im Stehen und an der Haustür getrunken wird.